Inhalt

Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Nach der coronabedingten Schließung ist das Schmuckmuseum wieder geöffnet - herzlich willkommen!
Wir bitten Sie, bei Betreten des Hauses einen Mund- und Nasenschutz zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten, vielen Dank. Führungen sind derzeit für Gruppen von maximal zwanzig Personen inklusive der Museumsführerin möglich. 
Die ethnografische Sammlung bleibt wegen Umgestaltung weiterhin geschlossen. 

Das Schmuckmuseum Pforzheim ist ein weltweit einzigartiges Museum zur Geschichte des Schmucks. Rund 2.000 Exponate zeigen Schmuckkunst aus fünf Jahrtausenden, von der Antike bis zur Gegenwart.

Pforzheim Jewellery Museum

Devoted to the history of jewellery, Pforzheim’s Jewellery Museum is the only museum of its kind worldwide. Some 2000 exhibits reveal the vast diversity of jewellery over five thousand years.

» Further information in English

Nachrichten

Hide and Seek

Digitale Re-Definition der Foto-Installation »The Hidden Displayed« im Schmuckmuseum von Nora Kirschmeier

Im Herbst 2019 beobachtete die in Pforzheim lebende Foto- und Design-Künstlerin Nora Kirschmeier über mehrere Wochen den Entstehungsprozess des Balletts »Die vier Jahreszeiten« von Guido Markowitz, Ballettdirektor am Theater Pforzheim, mit der Fotokamera in der Hand. Im Schmuckmuseum inszenierte sie im Frühjahr 2020 daraus 120 Schwarz-Weiß-Aufnahmen als Installation. Der Titel der Ausstellung »The Hidden Displayed« verwies auf das, was Kirschmeiers Fotografien zu generieren vermochten: Jenes festzuhalten und in neue Formen zu überführen, was als das Ephemere Tanz kennzeichnet: in ständiger Veränderung der Körperformen einen signifikanten Fluss an Bewegung durch Raum und Zeit zu bilden.
In der Ausstellung war den Besuchern die Möglichkeit gegeben, aktiv eigene Blickwinkel auf die projizierten Fotografien zu finden und so selbst Einfluss auf die Bilder zu nehmen.
Aufgrund der coronabedingten Schließung des Museums entstand die Herausforderung, dieses Konzept weiterzuentwickeln und eine webtaugliche Erfahrung der Ausstellung zu schaffen. Hieraus entstand im Sommer 2020 der Film »Hide and Seek«. Er bindet die in den Fotografien neu entstandenen Formen und Beziehungen der Körper im Tanz zurück an den Tanz, indem es nun die fotografierten Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Theater Pforzheim sind, die in das Bild von ihnen mit eigener Bewegung intervenieren und so neue Beziehungen und Minierzählungen kreieren – mal mit nur einem Körperteil, einer Geste oder dem ganzen Körper. Hineingetrieben in Licht und Schatten, Dunkelheit und Helligkeit entsteht so aus zahlreichen Begegnungen von Bild, Körper und Bewegung ein stummer, surreal wirkender Film, der auf neue Weise Berührtheit zulässt.

Konzept, Fotografie und Kamera: Nora Kirschmeier

Tänzer in der Reihenfolge Ihrer Interventionen: Dario Wilmington, Stella Covi, Selene Martello, Yannis Brissot, Mariana Romao, Alba Valenciano Lopez, Elias Bäckebjörk, Mei Chen, Soraya Leila Emery, Fabienne Deesker, Abraham Iglesias

Tänzer in den Bildern: Dario Wilmington, Stella Covi, Selene Martello, Yannis Brissot, Mariana Romao, Alba Valenciano Lopez, Elias Bäckebjörk, Mei Chen, Soraya Leila Emery, Fabienne Deesker, Abraham Iglesias, Willer Goncales Rocha, Bae Hyeon Woo, Alex Ferro

Künstlerische Assistenz: Eleonora Pennacchini
Schnitt- Assistenz: Mei Chen

Länge: 9:13 Minuten

Eine Kooperation von Ballett Theater Pforzheim, Schmuckmuseum Pforzheim und Hochschule Pforzheim, Fakultät für Gestaltung

Juli 2020

Schmuckmuseum trauert um ehemaligen Museumsleiter Fritz Falk

Über 35 Jahre das kulturelle Leben Pforzheims mitgeprägt

Das Schmuckmuseum Pforzheim trauert um seinen ehemaligen Leiter Dr. Fritz Falk. Der Goldschmiedemeister und promovierte Kunsthistoriker prägte das kulturelle Leben der Stadt über 35 Jahre maßgeblich mit. Durch seine Sammlungspolitik legte er den Grundstein für das, was die Bestände des Hauses als renommiertes Museum für Schmuckkunst heute ausmacht, und er begründete dessen internationalen Ruf.

Fritz Falk begann seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schmuckmuseum 1969 und wurde 1971 dessen Leiter. Seit dieser Zeit ist es Falk gelungen, die Pforzheimer Sammlung zu einem weltweit einzigartigen Spezialmuseum auszubauen, dessen Exponate von London bis Sankt Petersburg, von Paris bis Tokio als exquisite Leihgaben gefragt sind. Antike, Renaissance und Jugendstil waren zweifellos die Schwerpunkte seiner leidenschaftlichen Sammeltätigkeit, daneben war ihm der moderne, zeitgenössische Schmuck stets ein besonderes Anliegen. Seit den 1970er Jahren fanden im Schmuckmuseum Pforzheim zahlreiche Sonderausstellungen zu diesem Thema statt. Die »Ornamenta I« im Jahr 1989 als Gesamtschau des seinerzeit aktuellen internationalen Schmuckschaffens bildete den glanzvollen Höhepunkt.

Auf dem Gebiet der historischen Schmuckkunst kuratierte er wichtige Ausstellungen zu Jugendstil oder Renaissance, ebenso zeigte er Schauen mit Schmuck außereuropäischer Kulturen.

Durch die guten Kontakte des international geschätzten Experten zu den wichtigsten Museen der Welt gelang es, kostbare Schmuckstücke nach Pforzheim zu holen oder Teile der Sammlung weltweit zu präsentieren, etwa innerhalb Europas, in Australien, Japan oder Russland.

Auch wenn die Ära Falk 2004 im Schmuckmuseum nach 35 Jahren zu Ende ging, bestand die Verbindung weiter. 2011 kuratierte er im Jubiläumsjahr »50 Jahre Reuchlinhaus« die Ausstellung »Serpentina – die Schlange im Schmuck der Welt«, 2016 dann »Himmlisch – Sonne, Mond und Sterne im Schmuck«. Für 2022 war eine Schau mit dem Arbeitstitel »Alles, was fliegt« geplant. Über solche Projekte hinaus gab es einen engen Kontakt, auch in Einzelfragen war sein Wissen immer wieder gefragt.

In den Jahren von 1997 bis zu seinem Ausscheiden arbeitete er mit Cornelie Holzach zusammen, die 2005 seine Nachfolgerin wurde. »Fritz Falk setzte sich sehr dafür ein, dass ich die gemeinsame Linie als Leiterin fortsetzen konnte«, erinnert sie sich. »Über sein Sterben bin ich unendlich traurig. Wir waren einander freundschaftlich verbunden und haben, auch mit den anderen Kolleginnen, seinen 80. Geburtstag gemeinsam gefeiert.«

Fritz Falk war Ehrenmitglied der Worshipful Company of Goldsmiths, London, und Konsultant des Russischen Museums für Ethnografie Sankt Petersburg. Er war Jurymitglied bei zahlreichen Wettbewerben moderner Schmuckkunst in verschiedenen Ländern Europas, in Japan und Russland sowie Jurymitglied bei Kunst- und Antiquitätenmessen in Amsterdam, Basel, Frankfurt, Hannover, Hamburg und München.

Er starb in der Nacht zum 23. April nach kurzer schwerer Krankheit.

24. April 2020

Verlängerung der Napoleon-Ausstellung

»Exotic Formosa« abgesagt – kein Leihgabentransport wegen Corona

Die aktuelle Sonderausstellung »Die Welt neu geordnet – Schätze aus der Zeit Napoleons« im Schmuckmuseum Pforzheim wird bis Sonntag, 14. Juni, verlängert. Der Anlass dafür ist, dass die nachfolgende, für Ende März geplante Schau »Exotic Formosa – zeitgenössischer Schmuck aus Taiwan von Ruan Weng Mong« aufgrund des Coronavirus kurzfristig abgesagt werden musste: Der Transport der Leihgaben ist momentan nicht möglich. Nach derzeitigem Planungsstand wird das Thema auf Herbst 2021 verschoben. Durch das unerwartet freigewordene Zeitfenster bietet sich die Möglichkeit, die vom Publikum goutierte Ausstellung über Napoleon länger zu zeigen. »Schon seit geraumer Zeit haben wir die Lage in China genau beobachtet und uns darüber mit Ruan Weng Mong ausgetauscht. Da sich die Situation im Hinblick auf Transporte aus Taiwan nun auch zuspitzte, mussten wir leider die Reißleine ziehen«, erläutert Museumsleiterin Cornelie Holzach. »Das heißt aber nicht, dass das Thema aufgehoben ist – wir schieben es lediglich um circa ein Jahr auf. Ich bin sehr froh darüber, dass die Leihgeber von ›Napoleon‹ so schnell positiv reagiert haben.« Lediglich einige Exponate müssen schon jetzt, zum ursprünglich geplanten Ausstellungsende 1. März, das Schmuckmuseum verlassen, da sie anderen Museen für deren Projekte zugesagt sind.

Fabergé-Ei-Objekt mit besonderer Geschichte nun im Schmuckmuseum zu sehen

»Ei mit dem Brandenburger Tor« als Dauerleihgabe von Juwelier Leicht

Die Sammlung des Schmuckmuseums Pforzheim ist um ein kostbares Exponat aus einer limitierten Sonderedition reicher geworden: ein Fabergé-Ei-Objekt »Brandenburger Tor«.  Dieses besondere Objekt war in Zusammenarbeit von Fabergé und Juwelier Leicht im Jahr 2002 vom damaligen Werkmeister der Firma Victor Mayer gefertigt worden und wurde jetzt anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls von Juwelier Georg Leicht und seinem Bruder Stefan als Dauerleihgabe an Museumsleiterin Cornelie Holzach überreicht.

Entstanden sind die insgesamt 25 Exemplare dieser Edition im Jahr 2002. Damals präsentierte Juwelier Leicht das Ei-Objekt in Berlin im Beisein zahlreicher prominenter Gäste, u.a. Dr. Lothar de Maizière, SKKH Dr. Géza von Habsburg, des russischen Botschafters Sergej B. Krylow sowie Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Nach kurzer Zeit war die komplette Edition vergriffen, und lediglich ein Objekt – das jetzt dem Schmuckmuseum übergebene Ei - verblieb im Besitz von Stefan Leicht.
Dazu der Pforzheimer Juwelier: »Das Brandenburger Tor ist ein nationales Symbol. Es war zuerst Stadttor, dann Zeichen des kaiserlichen Deutschlands, der nationalen Überhebung, der Niederlage, der Trennung und schließlich glanzvolles Symbol der Wiedervereinigung. Diesem Symbol wollten wir ein Denkmal setzen.

Im Inneren des Kunstobjekts aus Gold, Brillanten, Email und Jaspis befindet sich eine originalgetreue Miniatur des Brandenburger Tors. Bekrönt wird diese Sonderedition von der ebenfalls in Gold gefassten Friedensgöttin Eirene, ebenso ist der Berliner Bär als emaillierte Miniatur des Stadtwappens zu sehen.

Jedes Objekt erhielt damals eine individuelle Gravur, die auf die Geschichte der Teilung und der Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands Bezug nimmt. So wurden u.a. folgende Gravuren verwendet:
»Ihr Völker der Welt - schaut auf diese Stadt« Ernst Reuter 1948
»Mr. Gorbatschow – open this Gate« Ronald Reagan 1987
»Ich bin ein Berliner« John F. Kennedy 1963
»Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört« Willy Brandt 1989

Mit der Gravur des nun im Schmuckmuseum ausgestellten Objekts hat es eine besondere Bewandtnis: Stefan Leicht, der Bruder von Juwelier Georg Leicht, hatte in den 80er Jahren in Berlin studiert. Am 9. November 1989 gehörte er zu den Demonstranten, die sich auf westdeutscher Seite am Brandenburger Tor versammelt hatten. »Als wir hörten, dass die Mauer geöffnet werden soll, gehörte ich zu den ersten Menschen, die auf die Mauer stiegen«, erzählt Stefan Leicht. »Und dann sprang ich als einer der ersten auf die ostdeutsche Seite und lief zum Brandenburger Tor. Die Grenzschützer standen mit ihren Maschinenpistolen daneben und waren ebenso fassungslos wie wir. Aber sie ließen uns gewähren. Es war ein unglaubliches Glücksgefühl – und ein unfassbares Glück, dass die Grenzer die Nerven behielten und nichts passiert ist.«

Somit war Stefan Leicht einer der ersten, der in der Nacht des 9. Novembers 1989 unter dem Brandenburger Tor hindurchgingen. Jahre später äußerte er gegenüber seinem Bruder den Wunsch, ein Objekt aus der limitierten Serie erwerben zu wollen. Georg Leicht sagte ihm dies zu und schmunzelte: »Ich habe eine besondere Gravur für Dich ausgewählt.«
Als Stefan Leicht dann einige Monate später das für ihn gefertigte Objekt in Händen hielt, kannten seine Emotionen keine Grenzen. Denn Georg Leicht hatte seinem Bruder die Inschrift »Ich war dabei« - Stefan Leicht, 9. November 1989 in das Ei gravieren lassen.

Das »Fabergé-Objekt mit dem Brandenburger Tor« ist ab sofort im Schmuckmuseum Pforzheim ausgestellt und erinnert auf wunderschöne Weise an den Tag, der die Geschichte Deutschlands verändert hat.

7. November 2019